Verfasst von: md | 12. Oktober 2010

Vom Ruhrgebiet zum „Open Boat“ in Minden

Vom Ruhrgebiet zum „Open Boat“ in Minden

Wie die Zeit vergeht. Kaum zu glauben, aber die vergangene Woche war bereits die vorletzte der Maritimen Deutschlandreise 2010. Herzlich verabschiedet durch Frau Mallmann und ihr Team vom Pfannkuchenschiff ging es Montagmorgen von Bonn-Oberwinter weitere 400 Kilometer durch die Republik. Zunächst erneut rheinabwärts.

Der Fluss tritt hinter Bonn in das Norddeutsche Tiefland ein und wird vom Mittel- zum Niederrhein. Vieles deutet hier daraufhin, dass wir uns in Deutschlands größtem Ballungsraum, dem Ruhrgebiet bzw. der Metropolregion Rhein-Ruhr, befanden. Denn breit und in seinem Verlauf reguliert zieht sich der Fluss hier an stark besiedelten und industrialisierten Ufern entlang. Wo einst Stahlwerke, Glashütten oder Textilunternehmen aufragten, zeigt sich heute ein anderes Bild. Vor allem Düsseldorf beweist, dass es zu Recht zu den wirtschaftlichen „Big Five“ Deutschlands gehört: Denn nicht nur den Fernsehturm, den nordrhein-westfälische Landtag und die Rheinkniebrücke konnten wir vom Deck aus erspähen, sondern auch die verschiedenen ufernahen Konzernzentralen und den Medienhafen.

Ziel für Tag 2 war Oberhausen, das wir auf dem Rhein-Herne-Kanal und nach zwei Schleusengängen in den Abendstunden erreichten. Früher rauchten hier die Schornsteine der zahlreichen Zechen, heute erinnern Industriedenkmäler wie der im Dunkeln hell erleuchtete Gasometer an die vergangene Blütezeit der Kohleförderung. Über weite Strecken verläuft die A 42 parallel zum Kanal, häufig erscheint die Wasserstraße aber auch unerwartet natürlich: An einigen Uferabschnitten ziehen sich dichte Waldstücke entlang, auf saftig-grünen Wiesen genießen Menschen die Nachmittagssonne, manche werfen sogar die Angel aus.

Tag 3 führte uns auf dem Dortmund-Ems-Kanal weiter östlich in Richtung Münster. Beeindruckendstes Gebäude auf der Strecke ist das alte, 1899 erbaute Schiffshebewerk Henrichenburg bei Waltrop. Seit 1962 außer Betrieb, ist es heute Sitz des Westfälischen Industriemuseums und damit Teil des äußerst interessanten Schleusenparks Waltrop. Nach zehn Stunden Fahrzeit und drei Schleusen erreichten wir am Abend schließlich die Studenten- und Fahrradstadt Münster. Es dämmerte bereits, als wir uns zu einem gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt aufmachten. Später genossen wir noch eine für die Region typische Spezialität: Grünkohl nach Münsterländer Art, mit Bratkartoffeln, Kasseler, Speck und Mettwurst.

Bestimmender Wasserweg der nächsten beiden Tage war der Mittellandkanal, die mit 325,7 Kilometern längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Nach einem nächtlichen Zwischenstopp in Bramsche kam Freitagnachmittag schließlich Minden, „Open Boat“-Stadt Nr. 5, in Sichtweite. Als Wasserstraßenkreuz ist die Fahrt durch die Stadt recht spannend, denn der Mittellandkanal wird hier in einer Trogbrücke über die darunter verlaufende Weser geleitet.

Im Mindener Yachtclub bezogen wir Quartier und bereiteten uns auf das kommende Wochenende vor, das rückblickend in puncto Besucheransturm dem ersten „Open Boat“ in Ludwigsburg in nichts nachstand. Das Wetter war bombastisch, das Thema interessant und so zog es Samstag rund 300 und Sonntag sage und schreibe sogar 600 Besucher zu uns ans Wasser und an Bord. Viele hatten über Zeitungsartikel, Radiobeträge oder den Mitveranstalter „DERTOUR“ von dem Event erfahren, waren entweder spontan oder aber auch gezielt in den Yachtclub gekommen. Vor allem am Samstag blieb genügend Zeit, um Fragen individuell und ausführlich zu beantworten. Dies fing an bei „Was? Man kann führerscheinfreien Hausbooturlaub machen?“ und endete bei speziellen Auskünften zu Bootsferien in Frankreich, Italien oder in den Masuren. Sonntag wurden wir dann regelrecht „überrannt“. Familien, Freundesgruppen und Pärchen drängten sich am Steg und wollten alle eine Probefahrt mit den Europa-Schiffen von „Cardinal Boating Holidays“ unternehmen. So bildeten sich hier schon um die Mittagszeit lange Warteschlangen. Glücklicherweise nahmen es alle mit Humor und übten sich in Geduld.

Voller Spannung, aber auch etwas wehmütig, blicken wir nun auf das kommende Wochenende und das Finale der Maritimen Deutschlandreise 2010 in Potsdam!


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