Verfasst von: md | 11. Oktober 2011

„Open Boat“ in Münster

Fahrradstadt wird zur „Boat City“: Maritime Deutschlandreise zu Gast in Münster

Drei Tage „Open Boat“ in Koblenz. Viele nette Menschen getroffen, viele interessante Gespräche geführt. Daran könnte man sich gewöhnen und gern wären wir noch etwas länger geblieben. Aber die Maritime Deutschlandreise heißt ja nicht umsonst Maritime Deutschlandreise und so ging es am Dienstag ruck zuck und mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck wieder hinaus auf den Rhein.

Schon nach wenigen Kilometern zogen hier wieder Burgen an uns vorüber, später auch die Reste der Ludendorff-Brücke bei Remagen – ein Bauwerk, das in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Hinter Bonn tritt der Fluss dann in das Norddeutsche Tiefland ein und wird vom Mittel- zum Niederrhein.

Durchs Ruhrgebiet

Vieles deutete hier daraufhin, dass wir uns in Deutschlands größtem Ballungsraum, dem Ruhrgebiet bzw. der Metropolregion Rhein-Ruhr, befanden. Denn breit und in seinem Verlauf reguliert zieht sich der Fluss an stark besiedelten und industrialisierten Ufern entlang. Wo einst Stahlwerke, Glashütten oder Textilunternehmen aufragten, zeigt sich heute ein anderes Bild. Vor allem Düsseldorf beweist, dass es zu Recht zu den wirtschaftlichen „Big Five“ Deutschlands gehört: Denn nicht nur den Fernsehturm, den nordrhein-westfälische Landtag und die Rheinkniebrücke konnten wir vom Deck aus erspähen, sondern auch die verschiedenen ufernahen Konzernzentralen und den Medienhafen.

Dann weiter auf dem Rhein-Herne-Kanal nach Oberhausen. Früher rauchten hier die Schornsteine der zahlreichen Zechen, heute erinnern Industriedenkmäler wie der im Dunkeln hell erleuchtete Gasometer an die vergangene Blütezeit der Kohleförderung. Über weite Strecken verläuft die A 42 parallel zum Kanal, häufig erscheint die Wasserstraße aber auch unerwartet natürlich: An einigen Uferabschnitten ziehen sich dichte Waldstücke entlang, auf saftig-grünen Wiesen genießen Menschen die Nachmittagssonne, manche werfen sogar die Angel aus.

Münster in Sicht

Für die letzten Kilometer war der Dortmund-Ems-Kanal unser Wasserweg. Höchst beeindruckendes Bauwerk unterwegs: das alte, 1899 erbaute Schiffshebewerk Henrichenburg bei Waltrop. Seit 1962 außer Betrieb, ist es heute Sitz des Westfälischen Industriemuseums und damit Teil des äußerst interessanten Schleusenparks Waltrop. Leicht geschafft und bereit für einen Landgang, erreichten wir am Donnerstagabend schließlich den Stadthafen von Münster. Es dämmerte bereits, als wir uns zu einem gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt aufmachten. Später genossen wir noch eine für die Region typische Spezialität: Grünkohl nach Münsterländer Art, mit Bratkartoffeln, Kasseler, Speck und Mettwurst.

Besucherandrang, ungewöhnliche Kaufanfragen und ein Gast vom ADAC

Eine deftige Stärkung für das Wochenende, an dem sich wieder alles um den Hausbooturlaub drehte. 600 Besucher – die hervorragende Bilanz von „Open Boat“ Nr. 4. Und wieder mal die Erkenntnis, das sich Werbung auszahlt. Denn viele hatten die Anzeigen in der örtlichen Presse oder die ADAC-Newsletter gelesen und waren gezielt vorbeigekommen, um Probe zu fahren und sich über mögliche Urlaubsrouten zu informieren. „Einige waren sogar extra von weither angereist“, so Cindy Gramsch von „hausboot-boerse.de“, ein auf Bootsurlaub spezialisierter Online-Auftritt des Reiseveranstalters DERTOUR und Mitorganisator des Münsteraner Events. Natürlich standen vor allem die beiden Europa-Schiffe im Zentrum des Interesses. „Ein Ehepaar, selbst Bootseigner einer 14-Meter-Yacht, war von Inneneinrichtung und Aufteilung sogar derart begeistert, dass sie ihre Besichtigung mit dem Satz abschlossen: ‚Wo können wir das kaufen?‘“, erinnert sich Gramsch an eine besonders interessante Begegnung.

Aber auch jenseits der „Open Boat“-Termine zeigt die Maritime Deutschlandreise Publikumswirksamkeit. Wer nicht vor Ort sein konnte, griff zum Telefon. So flatterten bei Cardinal Boating Holidays in den letzten Wochen schon viele Katalogbestellungen ins Haus.

Bevor diese Reisetagbuchseite beendet wird, noch einen besonderen Dank an Herrn Karl Rackerseder. Der ehemalige Leiter der ADAC Sportschifffahrt war am Sonntag extra angereist, hat sich unter die Besucher gemischt und uns in allen Lagen mit Rat und Tat unterstützt. Dafür ein großes Dankeschön!

Jetzt sind wir schon wieder unterwegs. Etwas wehmütig, denn in Hannover geht es in die letzte Runde. Fast 3 000 Gäste konnten wir in den vergangenen vier Wochen an Bord begrüßen. Schon jetzt Maritime Deutschlandreise-Rekord. Man darf gespannt sein auf das amtliche Endergebnis…Bis dahin: Ahoi!


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