Dritte Maritime Deutschlandreise 2008

Die dritte Maritime Deutschlandreise war eine schöne und abwechslungsreiche Tour, mit tollen Eindrücken von Deutschlands Wasserstraßen und Revieren. Mit der Europa 700 auf ihrer Jungfernfahrt zu sein, war ein einmaliges Erlebnis. Auf dem geräumigen Oberdeck, wo wir uns die meiste Zeit aufhielten, ließ es sich hervorragend mit zeitweilig bis zu zehn Personen aushalten. Die Besucher der insgesamt sieben „Open-Boat”-Veranstaltungen waren regelmäßig von der einfachen Bedienbarkeit der Boote und dem Komfort an Bord begeistert und gaben uns viel positives Feedback. Auch bei den Innenräumen wurde mit Lob nicht gespart.

Was jedem und auch uns während der Wochen an Bord positiv auffiel: Die neuen Boote bieten ungemein viel Platz. Egal wo man geht und steht, nirgends gibt es ein beengtes Gefühl. Ein echter Luxus waren natürlich die zu jeder Kabine gehörenden Duschkabinen und die modernen WCs.

Erste Woche: Grenzach – Straßburg – Kehl

In Grenzach-Wyhlen, dem südwestlichsten Zipfel Deutschlands und im wunderschönen Dreiländereck gelegen, startete am Samstag, den 6.  September, die dritte Maritime Deutschlandreise. Im Yacht-Club Hörnle konnte man die die Europa 400 für vier Personen und das neue Flagschiff aus dem Hause Cardinal Boating in Aktion erleben: die Europa 700. Bevor der funkelnagelneue Prototyp sieben Wochen lang auf Jungfern- und Testfahrt ging, bestaunten um die 400 Besucher das Sechs-Personen-Luxusboot. Die Schweizer Agentur Aqua Travel, Partner von Cardinal Boating, hatte außerdem Hausbootinteressierte aus der Schweiz und Frankreich eingeladen, sodass auf den Booten ein fröhliches Sprachgewirr herrschte.

Trotz wechselhaften Wetters gab es das ganze Wochenende lang reges Treiben im Yacht-Club Hörnle und auf den Traumschiffen der Europa-Klasse. Die ersten Probefahrten fanden den Rhein statt, und viele Erstfahrer waren überrascht, wie leicht sich eine Motoryacht manövrieren lässt. Am 8. September ging die Reise ins schöne Breisach am Rhein über Lahr nach Strasbourg. Dort machten wir, die zwei Crews der Europa-Boote, eine ausgiebigen Stadtbummel im Viertel Petit France, um dort die einheimischen Kulinarien wie Choucroute, das legendäre Sauerkraut, zu genießen.

Unsere nächste große „Open-Boat” begann am 12. September in Kehl. Der dort ansässige Nautic-Club war unsere gemütliche Heimstatt für das Wochenende. Freitag und Samstag fiel so starker Regen, dass leider nur wenige Besucher auf die Boote kamen. Es fanden dennoch interessante Probefahrten in Kehl bei heftiger Strömung statt, immerhin war der Rhein an zwei Tagen um fast einen Meter gestiegen. Die neue Europa 700 fuhr trotz heftiger Regenfälle drei bis vier Stundenkilometer und bekam somit als witterungsbeständiges und robustes Ferienboot viel Anerkennung seitens der Besucher. Glücklicherweise herrschte am Sonntag satter Sonnenschein, sodass rund 200 Besucher an Deck empfangen werden konnten und sogar erste Buchungen für die Saison 2009 vor Ort unterzeichnet wurden.

Zweite Woche: „Open Boat“ in Lutzelbourg

Von Kehl über Straßburg geht es gemütlich weiter auf dem Rhein-Marne-Kanal. Hier beginnt eine wunderschöne Strecke im Département Bas-Rhin, die für ihre Vielzahl an automatischen Schleusen und ausgesprochen tiefen Brücken bekannt ist. Für die frisch getaufte Europa 700 war das eine erste Feuerprobe, die sie glänzend bestand. Dank des perfekt konstruierten Bug- und Heckstrahlruders lassen sich auch schwierige Flusspassagen meistern. Für die Europa 400 war es ohnehin ein leichtes, den Kanal zu passieren.

Über das pittoreske Örtchen Waltenheim-sur-Zorn machen wir am nächsten Tag in Saverne tagsüber Halt, um dort das rege Treiben am Marktplatz zu genießen, einzukaufen und selbstverständlich in einem elsässischen Gasthaus die regionalen Spezialitäten zu genießen. An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei den Kollegen von Nicols bedanken, an deren Saverner Basis wir aufs freundlichste empfangen wurden. Einen besonderen Gruß an Elisabeth!

Am Freitag erreichten wir dann Lutzelbourg und unsere Anlegestation. Zu unserer großen Freude wurden wir die gesamte Zeit von Hausboot-Interessierten regelrecht überrannt. Fast 600 Personen besuchten die Schiffe.

Mit unserem Partner Locaboat waren wir mit insgesamt fünf Booten vor Ort, den zwei Europaschiffen und den legendären Pénichettes von Locaboat. Auch hier ein herzliches Dankeschön an die Vertriebsmitarbeiter von Locaboat. Zusammen konnten wir die detaillierten Fragen der Besucher ausgiebig beantworten und unsere Schiffe präsentieren.

Nach dem „Open-Boat”-Wochenende in Lutzelbourg ging es nun talwärts in den Saar-Kohlen-Kanal, der bei Gondrexange abzweigt. Wir passierten 15 Schleusen und wurden netterweise vom Schleusenwärter parallel mit dem Auto begleitet, um die jeweils nächste Schleuse zu öffnen und uns eine grüne Welle zu ermöglichen. Der Saarkanal eröffnete uns einen wunderbaren Ausblick auf weite grüne Wälder und ist ein sehr hübsches Revier.

Dritte Woche: „Open Boat“ in Saarbrücken

Es war sehr spannend, mit der Europa 700 den ersten Tunnel zu passieren. Auf der 2,3 Kilometer langen Strecke fiel im letzten Drittel des Tunnels das Licht aus. Um gut durchzukommen, mussten wir die Taschenlampe zu Hilfe nehmen. Der nächste Tunnel folgte gleich – auf dem Stück dazwischen läuft neben dem Kanal die Bahnlinie, und prompt kam der TGV angebraust – was für ein Geschwindigkeitsunterschied! Der zweite Tunnel ging ganz leicht. Danach fing es an zu nieseln, und wir gingen nach innen und nutzten den Innensteuerstand – mit der Rückfahrkamera wirklich kein Problem.

Um am nächsten Tag die Schleusen des Saarkanals passieren zu können, mussten wir noch vor 16 Uhr die Schleusenwärter bestellen, die uns am nächsten Tag an der Schleuse 1 des Saarkanals erwarteten. Zwei nette junge Männer, die deutsch und französisch sprachen, begleiteten uns den ganzen Tag. Da sie zu zweit waren, ging die Schleuserei sehr zügig. Kurz vor 12 Uhr gaben sie uns Bescheid, dass wir an der nächsten Schleuse eine Stunde Mittagspause hätten und wir einfach im Schleusenbecken anlegen könnten. Um 13 Uhr waren sie wieder da, und es konnte weitergehen. Während des Schleusens sprachen sie immer wieder über das tolle Boot, und wir luden sie zu einer Besichtigung ein.

Bis zur Schleuse 13 bei Saargemünd waren beide dabei und dann bis Schleuse 15 nur noch einer – die Schleuse war zwar automatisch, jedoch noch nicht für die Schiffe, da musste der Schleusenmeister aufs Knöpfchen drücken. An der Schleuse 15 drückte er uns eine Fernbedienung für die nächsten 15 Schleusen und eine englische Bedienungsanleitung in die Hand und verließ uns – wir fanden das schade, denn die beiden waren wirklich nett.

Wir fuhren noch bis Saaralbe. Dort legten wir vor einer Schleuse an. Das Dörfchen hat sogar eine Kathedrale, die wir am nächsten Morgen, als wir Brot holten, leider verschlossen vorfanden.

Am nächsten Tag galt es, noch einige Automatikschleusen zu bewältigen. Wir tuckerten gemütlich mit sechs bis acht Stundenkilometer über den romantischen Saarkanal durch ziemlich enges Fahrwasser, da die Bäume dort in den Kanal gewachsen sind.

Eine Schleuse in Deutschland Güdingen und dann waren wir schon in Saarbrücken. Wir legten direkt vor dem Staatstheater neben der Autobahn – ziemlich laut – an und waren zu Fuß in fünf Minuten in der Innenstadt. Am Donnerstag machten wir einen Stadtbummel und besichtigten die ausgegrabenen Kasematten der unterirdischen Burganlage.

Am Wochenende hatten wir traumhaftes Wetter und etwa 500 sehr interessierten Besucher. Alle waren total beeindruckt von dem neuen Boot. Die Probefahrten waren immer sehr gefragt und zahlreiche Interessenten konnten auch mal ans Steuer.

Vierte Woche: Unterwegs auf Saarschleife und Mosel

Von Merzig, einer hübschen Kleinstadt in einer Talaue der Saar gelegen, starten wir in die vierte Woche in Richtung Trier. Vom Deck der Europa-Schiffe ließ sich eine der schönsten Flusslandschaften Deutschlands entdecken. Kurz hinter Merzig erwartete uns das saarländische Wahrzeichen, die Saarschleife. Hier beginnt ein romantischer, an dicht bewaldeten Hängen entlangführender Umweg des Flusses, der auf etwa zehn Kilometer wunderschöne Ausblicke in die Saarlandschaft erlaubt. Ein Paradies für Urlaub auf dem Hausboot!

Bei Mettlach endet die Saarschleife, und wir passieren Saarburg, die Saarweinmetropole. Daraufhin Konz, wo die Saar in die Mosel mündet. Hier in der Obermoselregion wird Wassersport ganz groß geschrieben. Es existiert ein großer Yachthafen und im Sommer kann man Windsurfern und Jollenseglern auf beiden Flüssen zuschauen.

Ende der Woche erreichen wir das Wassersport & Freizeitzentrum Kreusch in Schweich an der Römischen Weinstraße. Neben einem ausgezeichneten maritimen Restaurant mit großer Moselterrasse finden Landgänger einen Vier-Sterne-Campingplatz in Nähe des Yachthafens. Durch den Feiertag  am 3. Oktober hielt sich der Besucherandrang im Vergleich zu den vergangenen Wochenenden in Grenzen. Immerhin waren es aber 250  interessierte Gäste, die sich auf den Europa-Booten tummelten.

Fünfte Woche: Senheim – Koblenz – Köln

Anfang der Woche starten wir unsere Bootsreise Richtung Bernkastel-Kues, ein weinkulturelles Juwel an der Mittelmosel. Das Städtchen liegt an beiden Seiten der Mosel und wird von der malerischen Burgruine Landshut überragt. Von Deck aus bewundern wir auch die unvergleichlichen Schiefer-Steillagen der historischen Mosellandschaft.

Am nächsten Tag geht es weiter entlang der Weinberge und Gärten in den Ort Senheim im Cochemer Land. Dieses Revier besticht durch die Schönheit seiner Weindörfer und lädt zum gemächlichen Schifffahren ein. Fast überall möchte man Rast machen.

Am Mittwoch erreichen wir die über 2.000-jährige Stadt Koblenz und passieren die weltberühmte Mündungsspitze am Deutschen Eck, an der Mosel und Rhein zusammenfließen. Später durchqueren wir das schöne Köln, um im Neusser Marine-Verein unseren nächsten Anlegeplatz in Beschlag zu nehmen.

Sechste Woche: Neuss – Münster – Hannover

Wie im vergangenen Jahr starten wir unseren Törn von Neuss in Richtung Ruhrgebiet auf dem Rhein-Herne-Kanal – vorbei an Oberhausen und der Marina, einem  schicken Freizeit- und Sportboothafen. Vor Ort gibt es zahlreiche Häfen für die Binnenschifffahrt. Die Aussicht auf das Ruhrgebiet und die glasklar fließenden Seitenarme der Ruhr sind einmalig.

Am nächsten Tag machen wir Halt in Münster, um uns die wunderschöne historische Altstadt anzuschauen. Von dort geht es weiter über den Dortmund-Ems-Kanal nach Bramsche ins Osnabrücker Land. Nun beginnt der Mittellandkanal, mit 325,7 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Bei Minden passieren wir am sogenannten Wasserstraßenkreuz die Weser.

Ende der Woche treffen wir im Sportboothafen Hannover ein und sehen dem Wochenende gespannt entgegen. Auch zur letzten „Open-Boat” kamen Hunderte Besucher, um die beiden Schiff zu inspizieren – ein voller Erfolg trotz mittelprächtigen Wetters.

Siebte Woche: Wolfsburg – Genthin – Fürstenberg/Havel

Die letzte Woche verlief sehr angenehm und problemlos auf der Europa 700 und 400. Wir machten Station bei Wolfsburg, wo wir in Sichtweite der Autostadt übernachteten. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass die Schleuse Hohenwarthe geschlossen sei. Deshalb waren wir gezwungen, einen Umweg die Elbe stromabwärts über die Sparschleuse Rothensee zu machen, um schließlich nach der Pareyer Schleuse auf den Elbe-Havel-Kanal zu gelangen. Genthin im Jerichower Land war unser nächster Zwischenstopp.

In den nächsten Tagen gelangten wir über Brandenburg an der Havel und Potsdam in den heimatlichen Hafen in Fürstenberg/Havel im Wassersportparadies der Mecklenburgischen Seenplatte und somit zum Endpunkt der dritten Maritimen Deutschlandreise.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns bei unserer dritten Reise auf den Wasserwegen von Süd nach Nord tatkräftig unterstützt, begleitet und aufgenommen haben. Wir konnten dieses Mal mehr als 3.000 Besuchern das Reise- und Freizeitthema Wassersport schmackhaft machen und hoffen, in den vergangenen Wochen viele der Bootsinteressierten für Urlaub auf dem Wasser begeistert zu haben. Eines ist sicher: die nächste Maritime Deutschlandreise kommt bestimmt!

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